Montag, 20. Januar 2014

Elli, Teil 2

Hier Teil 1 

Sofort war ihr bewusst um was es ging.
Trotz des Schocks arbeitet ihr Gehirn päzise und klar.
Als die Beamten gegangen waren und sie die notwendigen Dinge verrichtete, die nun erforderlich waren,
handelte sie wie ein Automat.
Weder Trauer, Schmerz, Entsetzen, sie empfand nichts..einfach gar nichts,  noch nicht.
Ihr Mann war nun tot, Herzinfarkt sagten die Beamten und es war wohl laut der Sanitäter nichts mehr zu machen gewesen .Auch wenn die Retter relativ schnell zur Stelle waren, dank Handy wurden sie von einem Spaziergänger informiert,  die Wiederbelebungsversuch schlugen fehl.
Exidus.
Als Elli zum Telefonhörer griff um ihre Töchter anzurufen,
brach plötzlich die errichtete Schutzfassade sekundenschnell zusammen.
Ihr war nun klar, dass ein wichtiger Teil ihrer selbst für immer verloren war.
Keine vertrauten, oft so nervigen Geräusche bei Tisch.
Kein dröhnendes und grummelndes Schnarchgeräusch mehr neben ihr, wenn der Fernsehfilm anging und er nach ein paar Minuten schon selig schlummerte. Auch wenn er sie jedesmal empört zurückwies, falls sie ihn mal , wenn es besonders heftig wurde, mit einem Schubs in die Seite zum aufwachen brachte:  " ich schlafe doch nicht...!"
Keine endlosen Debatten mehr, wenn es darum ging, wer den Christbaum wo aussuchen durfte .
Keine Kleidungsstücke mehr, die  irgendwo in der Wohnung herum lagen, nur nicht da, wo sie hingehörten.

Aber auch keine helfende Hand mehr, wenn mal wieder etwas nicht funktionierte, wenn Glühbirnen ausgewechselt werden mussten, die Vorhänge auf oder ab zu nehmen waren.
Nie mehr würde dies stille und stumme Gemeinschaft, diese wortlose Verbundenheit zwischen ihnen einen Sonntagsspaziergang begleiten.
All dies profanen Dinge, die sie manchmal  innerlich zur Weißglut brachten, all die war unwiederbringlich vorbei und ihr war jetzt schon klar, dass genau die ihr in Zukunft schmerzlich fehlen würde.

Als Rudi durch die Wohnungstüre stürmte und sich voller Wiedersehensfreude auf sie stürzte,
" Hund haben ja bekanntlich keine genaue Zeiteinschätzung wie man weiß, war ihr im ersten Moment überhaupt nicht klar, was sich gerade abspielte.
Woher kam der Hund...die Polizeibeamten hatten ihr ja noch erklärt, dass Rudi einstweilen im Tierheim abgegeben wurde, bis er wieder von ihr oder einem anderen Familienmitglied abgeholt werden könne.
Ihr Mann kam laut polternd hinterher und stöhnte, dass es diesmal ein furchtbares Gerangel auf der Hundewiese gegeben hatte. Anscheinend war ein Hund, der nicht in die eingefleischte Hunde-Clique gehörte mit vollem Karacho eingedrungen und hatte dort kräftig aufgemischt .
Und Rudi ließ sich nicht zurückrufen, was ein längeres Einfangen nötig machte und auch ein paar leichte oberflächliche Bissspuren an Rudis linkem Hinterteil erklärte, nicht schlimm, es ging gerade noch mal gut ab !

Elli fiel ihm um den Hals. Stürmisch umarmte sie ihn,  küsste  ihn und konnte nur die Worte stammeln, die sich in seinen Ohren anhörten wie eine Liebeserklärung
...Liebster...du bist da...ich bin ja so froh...mein  Gott, was für ein Glück !
Völlig überrumpelt und leicht verdattert ließe er den Gefühlsausbruch sich ergehen .
Irgendwie wunderte er sich etwas über Ellis Verhalten .
Er nahm sich vor, später vielleicht doch einmal nachzufragen...
Man kann sagen dass es sich wohl so zugetragen hat.
Man kann aber auch sagen es war reine Illusion, ein Traum ein Erlebnis zwischen den Welten.

Elli ist fiktiv.
Aber so, wie ihr, geht es sicherlich einigen Frauen  ( oder auch Männern )
Durch die oft jahrzehntelange Zweisamkeit und den alles in sich einverleibenden Alltag, vergisst man oft, was eine Partnerschaft ausmacht.
Man wird unzufrieden, kritisch und negativ.
Vielleicht kann es dann helfen, so ein Szenario im Kopfkino einmal durch zu spielen.
" Was wäre wenn... "







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1 Kommentar:

  1. Die Geburt der Dankbarkeit angesichts eines drohenden bzw. für wahr angenommenen Verlustes. Eine Mahnung an alle Frauen, denen die Macken ihres Mannes so stark auf die Nerven gehen, dass sie das Angenehme des Zusammenlebens mit ihm vergessen.
    Sicher eine wichtige Mahnung.

    herzlichen Gruß
    Brigitta

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Dankeschön