Dienstag, 18. Februar 2014

Kurzgeschichte-Wie jeden Abend .

Fernsehabend, wie üblich, 20 Uhr 15.
Kommst du ruft er und sie antwortet, ja gleich, ich muss nur noch die Waschmaschine anwerfen.
Aber es geht gleich los, antwortet er, sonst versäumst du wieder den Anfang...!
Ja, ja, ich bin ja schon da  und sie setzt sich neben ihn auf das Sofa.
Er hat Schokostückchen vor sich stehen und Nüsse in einem kleinen Glasschälchen.
Wenn du welche willst, dann nimm dir, sagt er, du weißt genau, dass ich das nicht darf,  sagt sie
und nimmt ein Stückchen Schokolade, wegen dem Diabetes.
Er nickt und langt auch zu,  schmecken aber so lecker !
Sie seufzt und greift zum Strickzeug, dann muss ich wenigstens nicht soviel naschen,wenn ich stricke, das lenkt ab.
Er greift zum Bierglas, jetzt sei aber ruhig, ich komm sonst nicht mit.

Würde dir auch nichts schaden, mal auf das tägliche Bier zu verzichten, denkt sie und kneift den Mund zusammen.
Der Schauspieler im Film zieht sich gerade das Hemd über den Kopf, sie denkt wow, so hast du auch mal ausgesehen, vor 30 Jahren, warum muss alles mal vorbei sein ?
Die Frau im Film ist bereits fast mehr oder weniger so, wie Gott sie schuf und er denkt an die Zeit vor 30 Jahren, du warst auch mal so schlank...und so hübsch.Wenn ich an deine herrlichen, langen Haare denke , ich war so verliebt.

Er holt das zweite Bier aus dem Kühlschrank in der Küche.
Schlurrt etwas in den ausgetretenen Pantoffeln und geht leicht gebückt, hast du es wieder im Kreuz ?
Hhm, kann sein, liegt vielleicht am Wetter und lässt sich wieder neben ihr aufs Sofa fallen.
Der Film ist nicht besonders interessant und schon ist er eingenickt.
Sie strickt schnell und konzentriert, der Film ist Nebensache, mehr Geräuschkulisse und sie fühlt sich nicht so alleine, wenigsten hört sie Gespräche.
Als er aufwacht ist gerade der Film zu Ende.
Sie denkt, er muss einen siebten Sinn dafür haben und jetzt wird er gleich sagen: war nicht schlecht heute..,
...war nicht schlecht heute der Film und kämpft sich hoch, ich gehe jetzt ins Bett, kommst du auch mit ?
Sie nickt und legt ihr Strickzeug zur Seite, ich bin auch müde und morgen , Arzt-Termin.
Er nickt und geht voran und sie folgt ihm, wie jeden Abend.


Kommentare:

  1. Liebe Jutta, du hast mir ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert.
    Es ist dir gelungen, einen Abend aufzuzeigen, wie er sich tausendfach abspielt.
    Einfach herrlich - Danke für diesen Post und einen schönen Abend
    mit Nüssen, Schokolade, Bier und Strickzeug wünscht dir
    Martina

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  2. so eine bekannte Gemütlichkeit
    mit einem dezent anklagenden Ton von Einsamkeit, ein "Nichtwirklich Beachtetwerden", mit einer Note von "das denk ich mir lieber, ich sag das nicht laut".. tja, tagtäglich
    erzähl mal mehr von "denen", ich les dich gerne
    Sophie

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Falls euch dazu was einfällt, ich würde mich über eure Ansichten dazu freuen.
Dankeschön