Montag, 24. März 2014

Elli # 4

Ein Tag ist wie der andere, denkt Elli.
Ist das nun gut oder schlecht ?!
Sie ist sich nicht so recht im Klaren darüber.
Gut ist es, weil man weiß,was kommt.
Das Frühstück z.B. in gewohnter Zeit und Ablauf.
Die Brötchen für ihn, das Knäckebrot für sie.
Butter und Marmelade für ihn, Quark oder Käse für sie.
Sein Kaffee schwarz mit etwas Milch,  ihrer  mit 2 Stück Zucker und viel Milch.
Die Gespräche voraus schaubar,
wie hast du geschlafen ? könnte besser sein....heute gut...geht so...!
Nachdem die Tageszeitung durchgelesen is,t geht erst er, dann sie ins Bad.
Sie braucht länger, daher.
Während sie sich noch zurecht macht, hört sie ihn rufen  ich besorge schnell noch das Gemüse und das Fleisch für mittags, brauchst du noch etwas ? 
Kurz nachgedacht, dann streckt sie den noch unfrisierten Kopf durch die Türe
und winkt ab, ich habe alles, danke.
Er nickt und geht wortlos, die Türe fällt sanft ins Schloss.
Endlich ein paar Minuten, die Elli für sich hat.
Nicht dass sie ihren Mann meiden würde,, aber manchmal ist es gut, nicht zu reden, bzw. gemeinsam zu schweigen.
In letzter Zeit nimmt das " Gemeinsam einsam " zu, denkt sie und seufzt auf.
Aber so ist das halt in einer langen Partnerschaft.
Sie weiß, es müsste nicht so sein, aber bei ihnen hat sich diese Wortlosigkeit eingeschlichen.
Ganz langsam zuerst, unauffällig und hinterhältig, bis es nicht mehr zu leugnen war, der wortlose Alltag hatte Einzug gehalten.
Und sie begann darunter zu leiden.
Zu ändern war wohl nichts mehr.
Viele Versuche ihrerseits waren in den letzten Jahren gescheitert.
die Diskussionen über ihre Beziehung verloren sich in Unverständnis  ihre Mannes, was soll denn anders werden, ist doch alles in bester Ordnung---du bildest dir doch alles nur ein...also wegen mir kann alles so bleiben, passt doch ...1
Was sie am meisten verletzte war dann immer das Argument: du denkst zuviel !
Ja, und du zu wenig, aber das sagt sie nicht und wie jedesmal verliefen die Debatten im Sand.
Einmal war es anders, da drohte sie ihm mit Auszug und Trennung.
Da konnte er auf einmal reden und argumentieren.
Wie schön sie es doch hatten, wie gut es ihnen doch gehe und wie schlecht, wenn sie beide dann auf einmal getrennt wären. Dieser Aufwand, diese finanziellen Einbussen, das könne sie doch nicht ernsthaft wollen ?!
Nein, sie wollte es nicht, aber es genügte ihr auch nicht.
Da fehlte etwas, die Liebe, besonders die Zärtlichkeit, das Interesse an meinen  Gefühlen und Nöten,
das Zuwenden und Mitfühlen, aber das war irgendwie der Gleichgültigkeit gewichen, dachte Elli.
Ich mache doch alles für dich, sagte er manchmal, wenn sie irgendwie deprimiert wirkte.
Ja schon,dachte sie dann, aber das ist eben nicht genug,
Dir fehlt  die Empathie  für meine Person, für meine Gefühle , meine Ängste und Sehnsüchte !
Doch ihre Kraft war im Laufe der Zeit immer weniger geworden, die Kraft sich durch zu setzten, Eigenverantwortung zu übernehmen und einen Schlussstrich ziehen, nein , das konnte sie nicht mehr.
Sie kapitulierte.
Ein Tag ist wie der andere, denkt Elli.

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Elli ist fiktiv.
Hier kann man nachlesen, 
was ihr so durch den Kopf geht, was sie beschäftigt.
Mehr über Elli



1 Kommentar:

  1. Man weiß gar nicht so recht, was man Elli raten soll.
    Auf jeden Fall ist sie eine taffe Frau - ob sie das tröstet?
    Geht es uns nicht allen so ein bisschen wie Elli?
    Alles Gute für Dich und auch für Elli - ich lese immer
    gerne von ihr! Martina

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Dankeschön