Freitag, 21. März 2014

Ich und mein Abriss-Haus


So, damit ihr mal seht, was ich für Treppen ersteigen muss möchte, die mich letztendlich dann meinem Ziel der Selbstfindung näher bringen sollen, habe ich diese Collage für mich angefertigt.
Immer, wenn ich ein einen Vorsatz erfüllt habe, werde ich ihn rot durchstreichen.
Wenn ich erfolgreich war, wird wieder ein das ganze wieder neu beginnen, denn diese Vorsätze sind ja lange noch nicht alle !

Loslassen, ein ganz besonders schweres Vorhaben.

Meine jüngste Tochter war ein Nachzügler
( aber ein Wunschkind ) und ich war mit 40 Jahren nun nicht mehr gerade die Jüngste. Bei der Geburt ( nach heutiger Zeit ) schon noch voll im Trend, aber ich machte mir schon im Laufe der Jahre Gedanken, wie es sein würde, wenn ich mal im Rentenalter sein werde.
Und ich ging ganz in der späten Mutterschaft auf.
Leider mehr angstbesessen und übervorsichtig, was unser Leben ganz schön beeinträchtigt hat und mich, aus Sorge, ihr könnte was passieren,  in ein Nervenbündel verwandelte.
Trotzdem waren es wunderschöne Jahre und nie im Leben möchte ich diese Zeit missen !

Ich hatte echt riesige Probleme damit, als meine jüngste Tochter angefangen hat, sich in der Pubertät von mir abzunabeln. Das ging so ungefähr mit 15 J. los
Da wurde es dann für mich besonders schlimm. 
Wo war mein süßes, anhängliches Mädchen, dass alles mit ihrer Mama zusammen machen wollte ?
Auf einmal war ich in ihren Aktivitäten überflüssig. Alles wollte sie nun alleine machen, mit Freunden unterwegs sein usw. War ja auch völlig normal, nur ich kam nicht damit klar. Jetzt,mit  zeitliche Abstand heraus kann ich sagen, dass mir auch ein teil Lebensinhalt fehlte, ein Loch entstand, welches ich nicht zu füllen wusste!
Gott sei Dank war meine Tochter in keinster Weise anfällig für gefährliche Aktionen, die in diese Zeit ja leicht zu Versuchungen führen können. Sie hat diese Zeit des Erwachsenwerdens toll gemeistert. Heute ist sie eine liebenswerte, junge Frau.
Trotzdem merke ich, dass meine Übervorsichtigkeit bei ihr Spuren hinterlassen hat und sie selbst von sich aus sagt:
" also manchmal bin ich wie du..."und ich weiß, dass es nicht positiv gemeint ist, denn sie hat auch Ängste entwickelt, an denen sie nun arbeiten muss.
Und das genau bedrückt mich schon sehr. Denn ich habe da eine Linie vorgegeben, die sie anscheinend entlang geht und ich weiß aber, das es nicht so sein sollte !
Mittlerweile weiß sie von meinen schweren Gefühlszeiten in ihrer Kindheit und sie hat mir nichts nachgetragen, ja, sie hat dies gar nicht bemerkt,  darüber bin ich wiederum froh.
Aber es war sehr schwer, mich zurück zuhalten, wenn sie ihren eigenen Weg ging und ich nicht eingreifen durfte.
Ich weiß, der Mensch lernt nur selbst aus seinen eigenen Fehlern, ja, er muss sie sogar machen um Selbstständigkeit zu erlangen.
Und jetzt kann ich mittlerweile sagen, ja, ich habe losgelassen, ich 
bin wieder frei und brauche nicht jeden Tag Kontrolle über ein anderes Leben ausüben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Und da fällt mir wirklich ein großer Brocken von der Seele.

Wir haben nach wie vor ein sehr gutes , familiäres Verhältnis miteinander.
Und natürlich  habe ich stets ein offenes Ohr für sie, wann immer SIE es möchte!
Und das ist ein angenehmes, leichtes Gefühl.


Kommentare:

  1. Oh ja, wir Mütter, wir klammern. Kenne ich zu gut. Meine Tochter - ich habe nur die eine - hat ein Patenkind, deren Mutter auch schon 40 Jahre alt war bei der Geburt ihres 1. und einzigen Kindes. Wann immer diese Mutter mit meiner Tochter und den Kindern auf dem Spielplatz ist, kann man beobachten, was du gerade beschrieben hast. Diese Mutter ist viel ängstlicher, als zum Beispiel meine Tochter. Dies darf das Kind nicht und jenes - aus Angst verbietet sie ihr alles mögliche, was natürlich dazu führt, dass auch dieses Kind ängstlich ist und sich wenig zutraut. Und genau das kenne ich auch von meiner Mutter. Sie war auch schon fast 40 und überaus ängstlich und ja, ich habe heute noch mit meiner anerzogenen Angst zu kämpfen. Doch genau wie auch deine Tochter würde ich meiner Mutter dies niemals vorwerfen, damals falsch gehandelt zu haben. Sie hat sich Sorgen gemacht, weil sie mich so sehr geliebt habt. Das erkennt man, wenn man älter ist. Arbeiten wir also alle gemeinsam am Loslassen und am Ängste abbauen. Ich glaube, genau so wie alles ist und kommt, genau so ist es für uns richtig. Arbeiten wir weiter an unserem Abrisshaus. Müssen wir es eigentlich wieder neu aufbauen, wenn es dann irgendwann einmal abgerissen ist? Ein schönes Wochenende und Danke dafür, dass du deine Gedanken mit uns teilst! Martina

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    1. Liebe Martine,
      es gibt leider noch ein paar Stockwerke zu bewältigen, die man hier noch nicht erkennen kann.
      Aber irgendwann einmal ist der Abriss sicher komplett, es wird halt noch dauern.
      Ich danke dir für deine lieben Zeilen.
      LG
      Jutta

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Dankeschön