Dienstag, 31. März 2015

Wenn ich die Tagezeitung lese . .

. . . . dann lese ich meistens erst mal die Todesanzeigen.

Es ist schon komisch, als ich noch jung war, fand ich es immer unmöglich, dass sich meine Mutter immer so brennend dafür interessierte, wer denn nun wieder von uns gegangen ist.
Jetzt kann ich sie verstehen.
Ich habe eigentlich keine Verwanden mehr, von denen man ein altersgerechtes Ableben erwarten könnte.
Aber was mich so interessiert ist das Geburtsjahr.
Und da merke ich mit leichter Bestürzung und unterschwelligem Unbehagen, dass sich sehr viele Anzeigen mit meinem Geburtsjahr decken, plus/minus ein paar Jährchen.
Irgendwie macht mich das immer nachdenklich.
Und ich merke immer bewusster, dass ich mich im letzten Drittel meines Lebens befinde.
Ich schreibe das so locker dahin, aber es beschäftigt mich schon sehr.
Natürlich bringt das nichts, ich könnte 100 werden, aber , ich weiß auch, dass es anders sein könnte.
Und was mich beschäftigt ist mehr der Gedanke, wie schöpfe ich nun die mir verbleibende Zeit richtig aus.
Wie gestalte ich meinen Tag so, dass die Stunden nicht einfach so dahinrinnen und ich am Abend dann sagen kann, jawoll, das hat sich gelohnt, dieser Tag war wieder super und wertvoll,
für mich und andere.
Aber es gelingt mir einfach nicht immer.
Manchmal plätschern die Tage auch eben nur so mal dahin, nichts wichtiges, wertvolles passierte und manchmal war auch ein bisschen Schludrian angesagt. Muss ich mich jetzt dafür rechtfertigen ?
Ich glaube nicht und frage ich mich, ob man dazu nicht auch eine Berechtigung hat, einfach nur so leben.

Wie denkt ihr darüber ?



Kommentare:

  1. Liebe Jutta,
    da schaue ich Dich nun mal an und nicke zustimmend. Kenne ich auch, mache ich auch heißt, das kann ich nachfühlen.
    Viele meiner Schulkameraden sind bereits vorausgegangen und durften nicht so lange auf Erden weilen wie ich .
    Auch sehe ich wie traurig mein Mann ist weil sich die Reihen seiner Feuerwehrkollegen lichten. Das alles macht trotz Glauben oft Angst. Weißt Du, wenn wir abends gemeinsam nebeneinander liegen , unseren kleinen Hund in der Mitte, uns bei den Händen halten dürfen, dann hat sich der Tag den wir gelebt gelohnt. So wie auch das Aufwachen, sich den Morgenkuss schenken dürfen um gemeinsam in den neuen Tag zu starten, dies sind in diesem Lebensabschnitt die ganz großen Glücksmomente. Der normale Alltag dann ist dann nicht nur Alltag . Wird doch durch diese beiden riesigen Glücksmomente eingebettet und kann nur gut werden. Ich lebe von Augenblick zu Augenblick und wünsche mir noch ganz viele schöne Jahre. Zugeben will ich gerne dass mir oft dumme Gedanken kommen . Es ist nicht so leicht liebe Jutta aber ich denke mal wenn der neue Frühling so richtig da ist wird alles leichter wie in jedem Jahr oder? Ganz liebe Grüße lasse ich zurück, die Celine

    AntwortenLöschen
  2. Warum muß man "anders" leben, warum ist "nur so vor sich hin leben" schlecht? In meinem Leben passiert auch nicht dauernd etwas Wichtiges und Wertvolles, im Gegenteil, muß es das? Mein Leben ist ziemlich klein, nicht mal Urlaub gibt es. Seit vielen, vielen Jahren! Keine Reisen und tollen Unternehmungen und Erlebnisse. Ist Leben nicht unser Ding, und jeder wie er kann und will, sofern er kann wie er will, weil das klappt ja auch oft nicht (aus diversen Gründen wie Gesundheit oder Geld)? Natürlich macht man sich mehr Gedanken über das Ende, wenn man älter wird. Natürlich fragt man sich evtl. auch, ob und was man versäumt hat. Menschen sterben, die man gut und lange kannte. Und man weiß, die meiste Lebenszeit ist definitiv zu Ende, ab einem bestimmten Alter. Es gibt da nur einen Trost, der in Wahrheit keiner ist: Es geht allen Menschen so. Wir sind mit diesen Gefühlen nicht alleine. Daß wir in unseren Blogs offen und ehrlich auch sowas schreiben können, zeigt uns allen, daß wir alle irgendwie gleich sind, weil wir alle eingebunden sind in diesem Kreislauf des Lebens ...
    Ganz liebe Grüße!
    Linda

    AntwortenLöschen
  3. Lieben Dank euch Beiden.
    Ich fühle mich verstanden ♥

    AntwortenLöschen
  4. Wir, mein Mann und ich lesen die Todesanzeigen auch regelmäßig.... Wir kennen hier sehr viele Leute von beruflicher Seite her und natürlich auch privat. Besonders betroffen machen mich jedoch Anzeigen von jungen Menschen! Und manchmal erstaunter Weise, wie uralt manche Mitbürger geworden sind.... Es sind tatsächlich 90-95-100jährige auch schon mehrfach dabei gewesen. Abgesehen von der Zeitung gehen wir das Familiengrab besuchen und das von verstorbenen Freunden und sehen uns dann auch andere Grabstätten an....

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    PS: Ich freue sehr über Deinen Kommentar und denke bezüglich eines Termins lässt sich darüber abstimmen, wann ein Treffen realistisch sein könnte.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Jutta,
    mein Alltag kommt mir mehr vor wie ein Riesentrichter, dass viel zu viele Pläne gleichzeitig in meinem Kopf herum schwirren und ich davon nur einen Bruchteil realisiert bekomme. Ich stecke allerdings auch noch voll im Beruf, wo ich zwar auch einige Pläne realisiert bekomme, aber insgesamt die Dinge doch durch meinen Arbeitgeber vorangetrieben werden.

    Gruß Dieter

    AntwortenLöschen
  6. hallo jutta,
    hatte mir gerade vorgenommen, bei Dir zu stöbern. aber bis hierhin reicht mir schon einmal. so stelle ich mir bloggeraustausch vor!
    wunderbar, wie offen Du schreibst.
    vielleicht klappt es ja wirklich einmal mit einem treffen. in münchen? oder sonstwo.
    bei mir darf jeder tag einfach plätschern.
    ich war vor 5 jahren so nah dran, dass mit der gesundheit alles aus ist.
    da hat sich mein leben komplett verändert.
    jede stunde ohne pflichten ist ein genuss!
    herzlich pippa

    AntwortenLöschen

Falls euch dazu was einfällt, ich würde mich über eure Ansichten dazu freuen.
Dankeschön